In seiner aktuellen Ausstellung yellow line greift der Münchner Fotokünstler Michael Nischke auf eine in Japan um zirka 1860 bis 1910 (Edo- und Meiji-Zeit) verbreitete fotografische Praxis zurück: von Hand kolorierte Schwarzweißfotografien. Die Technik der Handkolorierung entstand kurz nach der Erfindung der chem. Fotografie (1826 – die 1. Heliographie vor 200 Jahren in Frankreich), wurde jedoch in Japan erst ab den 1860er-Jahren wirklich relevant und mit dem Aufkommen echter Farbverfahren ab zirka 1910 nach und nach verdrängt. Die klassische Handkolorierung von schwarzweißen Fotografien fand damals – in luxuriösen Souvenir-Alben verpackt – viele Liebhaber. Die Motive spiegelten oft ein idealisiertes Bild des „alten Japan“ wider. Landschaften und berühmte Orte, Szenen des täglichen Lebens sowie bekannte Bauwerke und Tempel waren sehr beliebt.
Heute nutzt Nischke diese besondere Kombination aus fotografischer Genauigkeit und malerischer Interpretation für seine auf vielen Reisen in Japan in den Jahren 2019 bis 2025 entstandenen Motive. Dabei setzt er transparente Wasserfarben (Lasuren) ein und erzeugt so eine Art Holzschnitt-Ästhetik (Ukiyo-e). Das Besondere: Seine aktuelle Motivauswahl, die einen vielfältigen Einblick in das Leben und die Kultur Japans bietet. Die Verwendung von speziellem Papier mit einer silbrig-glänzenden Beschichtung verleiht den Farben zudem eine einmalige Transparenz und Leichtigkeit. So entstehen mit dieser traditionelle Technik einmalige, magische Unikate: Jedes Bild ist unverwechselbar.