Eröffnung der Ausstellung
Bewunderungen | Verwunderungen
Fotografie von Wojtek Sperl
am Freitag, 27. Februar 2026 von 18 – 21h
„Als ich vor über 50 Jahren begann ernsthaft zu fotografieren und gleich die ersten Bilder gegen ein Honorar fertigte, dachte ich mir, dass das Jahr 2000 nie kommen wird. Inzwischen sind wir mitten im 21. Jahrhundert, meine ersten Fotos verrotten in irgendwelchen Zeitungsarchiven und ich bin weiterhin neugierig auf die Bilder, die zu mir strömen. Alles um mich herum habe ich noch nicht satt sehen können. Und nicht ich finde die Bilder, sondern die Bilder kommen zu mir. Es ist nämlich so, dass ich von der Außenwelt durch eine schwere Erkrankung so gut, wie ausgeschlossen bin, auch der Garten ist mir ein Fremdwort geworden. Die Natur hat anscheinend meine Lage verstanden und liefert mir frei Haus die tollsten Spektakel. Und darauf drücke ich den Auslöser ab.
Merkwürdig ist, dass ich von der Kritik bei meiner ersten Ausstellung wie ein Routinier behandelt wurde und heute, mit einigen Ausstellungen und Preisen für Bild und Regie im Gepäck, werde wie ein Debütant betrachtet, was auch irgendwie schmeichelt.
Doch damals wie heute galt schwarz-weiße Fotografie als Nonplusultra. Ich selbst, mangels Kenntnisse, Möglichkeiten und Zeit, hielt mich lange von der Farbfotografie zurück in der Überzeugung, dass grafische, schwarz-weiße Bilder stärkere Ausdrucksmöglichkeiten bieten. Die Jagd nach der Schärfe in der Auflösung und Tiefe, wie z.B. bei der von mir verehrten Gruppe f/64 oder rein graphische Kompositionen oder diese ewige Klassifizierung „Fotografie als Abbild der Wirklichkeit“ beschäftigte eine Zeit lang auch mich. Vor allem diese abwertende These mit unzähligen Beweisschriften, diese unsägliche „Fotografie als Kunst“. Heute weiß ich – es ist alles nicht wahr! Fotografie ist Kunst, zumindest eine der unzähligen Formen der Kunst. Auch die hochgehaltenen handwerklichen Fertigkeiten und verpönten Artefakte sind gemeinsam die Stilmittel der Aussage, mindestens für mich.“
Grundsätzlich zieht sich die Kreativität wie ein roter Faden durch das Leben von Wojtek Sperl, geboren 1950 in Warschau. Er studierte Kunstgeschichte in Polen, war unter anderem als Kunstkritiker, Drehbuchautor, Redakteur und Regisseur tätig. Den Beruf des Kameramannes erlernte er in Österreich und Deutschland und übte diesen über Jahre hinweg aus.
„Ich kämpfe nicht um besondere Motive. Man kann mich nicht als normalen Fotografen beschreiben. Motive oder Themenfotografie interessieren mich nicht.“
Es sind die unkonventionellen, teils ganz einfachen Situationen, die seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
„In der Fotobranche werden meist die gestellten und geschleckten Dinge bevorzugt. Das ist nicht das, was ich gerne mache.“