„Als ich vor über 50 Jahren begann ernsthaft zu fotografieren und gleich die ersten Bilder gegen ein Honorar fertigte, dachte ich mir, dass das Jahr 2000 nie kommen wird. Inzwischen sind wir mitten im 21. Jahrhundert, meine ersten Fotos verrotten in irgendwelchen Zeitungsarchiven und ich bin weiterhin neugierig auf die Bilder, die zu mir strömen. Alles um mich herum habe ich noch nicht satt sehen können. Und nicht ich finde die Bilder, sondern die Bilder kommen zu mir. Es ist nämlich so, dass ich von der Außenwelt durch eine schwere Erkrankung so gut, wie ausgeschlossen bin, auch der Garten ist mir ein Fremdwort geworden. Die Natur hat anscheinend meine Lage verstanden und liefert mir frei Haus die tollsten Spektakel. Und darauf drücke ich den Auslöser ab.
… Doch damals wie heute galt schwarz-weiße Fotografie als Nonplusultra. Ich selbst, mangels Kenntnisse, Möglichkeiten und Zeit, hielt mich lange von der Farbfotografie zurück in der Überzeugung, dass grafische, schwarz-weiße Bilder stärkere Ausdrucksmöglichkeiten bieten. Die Jagd nach der Schärfe in der Auflösung und Tiefe, wie z.B. bei der von mir verehrten Gruppe f/64 oder rein graphische Kompositionen oder diese ewige Klassifizierung „Fotografie als Abbild der Wirklichkeit“ beschäftigte eine Zeit lang auch mich. Vor allem diese abwertende These mit unzähligen Beweisschriften, diese unsägliche „Fotografie als Kunst“. Heute weiß ich – es ist alles nicht wahr! Fotografie ist Kunst, zumindest eine der unzähligen Formen der Kunst. Auch die hochgehaltenen handwerklichen Fertigkeiten und verpönten Artefakte sind gemeinsam die Stilmittel der Aussage, mindestens für mich.“